Digitalisierung

als Inkubator der Energiewende

Mit der zunehmenden Verbreitung flexiblerer Technologien und einer zielführenden Debatte über das geeignete Energiemarktdesign scheint die Energiewende auf einem guten Weg zu sein. Doch um die erforderliche Neuordnung des Energiesystems intelligent zu bewältigen, müssen wir den nächsten großen Schritt gehen: die Digitalisierung der Energieversorgung.

Als zentrale Umwälzungen unserer Zeit haben sowohl die Digitalisierung als auch die Energiewende bereits weitreichende Auswirkungen auf Märkte, Unternehmen und die Gesellschaft. Doch während sich die Energiewende über Jahrzehnte langsam vollzieht und Fortschritte erst nach Jahren sichtbar werden, erleben wir, wie die Digitalisierung Unternehmen und Märkte in atemberaubender Geschwindigkeit revolutioniert.

Handelt es sich um zwei völlig verschiedene gesellschaftliche Trends mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten? Auf Grund der bisherigen Beobachtungen könnte man meinen: ja. Auf der einen Seite sehen wir in den letzten 20 Jahren einen stetigen Zubau regenerativer Erzeugungskapazitäten und ein schrittweisen Wandel der Energielandschaft, auf der anderen Seite erleben wir mit der Digitalisierung den radikalen Umbruch ganzer Geschäftsmodelle und Industrien weit über Telekommunikation und IT hinaus – von der Fotografie über die Musikbranche bis zur Fertigungstechnik.

Meine Überzeugung ist aber, dass die Digitalisierung als beschleunigendes Moment der Energiewende genutzt werden muss, um die Komplexität des energiewirtschaftlichen Gesamtsystems weiterhin beherrschen und die Bezahlbarkeit der Energieversorgung langfristig gewährleisten zu können. Wir müssen diese Chance jetzt nutzen!

Können wir als Energieversorger die mit der Digitalisierung verbundenen vielschichtigen Herausforderungen meistern oder geht unsere Ära zu Ende?

Wir müssen schnelle und effektive Wege finden, um unsere bestehenden Geschäftsmodelle mit Blick auf die Energiewende digital zu transformieren und gleichzeitig Unternehmertum für die Entwicklung neuer Geschäfte zu fördern. Partnerschaften mit anderen Unternehmen und das Knüpfen von Wertschöpfungsnetzwerken – gerade auch mit unkonventionellen Innovationstreibern – und der unternehmerische Mut, etablierte Strukturen aufzubrechen, werden so zu Eckpfeilern einer erfolgreichen Transformation. Ich sehe bei uns drei Ansatzpunkte die Energiewende durch Digitalisierung voran zu bringen, neue Wertschöpfung zu erzielen und uns weiterhin am Markt zu behaupten:

  1. Durch die Digitalisierung unserer Netzinfrastruktur erfahren wir mehr über Netzzustände, können gezielt smarte Lösungen für eine sichere Versorgung zum Einsatz bringen und heben volkswirtschaftliche Potentiale, da ein teurer konventioneller Netzausbau in Teilen sogar ganz vermieden werden kann.

  2. Der Markt kann durch die Digitalisierung einen stärkeren Beitrag zur Stabilisierung der Netze leisten. Erst eine bessere Datennutzung ermöglicht die Vermarktung regionalisierter Produkte, welche etwa durch die Flexibilisierung von Anlagen auch durch den Endverbraucher/privaten Einspeiser angeboten werden können.

  3. Wie in anderen Branchen, wird der Aufbau von IT-Plattformen zur Bekanntmachung, Bereitstellung und Vermarktung energiebezogener Dienstleistungen ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Gestaltung des zukünftigen Energiesystems sein. Dem zugrunde liegt in erster Linie das Verständnis, aus Daten kontinuierlich zu lernen und sie als Rohstoff für neue Geschäftsmodelle zu begreifen.

enera – Die digitale Transformation des Energiesystems

Wir müssen uns vernetzen und partnerschaftlich den Weg gemeinsam beschreiten. Die Zeit der Einzellösungen ist vorbei, wir müssen nun das branchenübergreifende Zusammenspiel perfektionieren und gemeinsam in eine neue digitale Ära der Energiewende aufbrechen. Diesen nächsten großen Schritt der Energiewende kann kein Unternehmen der Energiebranche alleine gehen. In einem Großprojekt wie enera, das die verschiedenen „Fäden“ zusammenbindet und unter realen Bedingungen integriert, werden wir die disruptiven Kräfte der Digitalisierung gezielt freisetzen können, um den Standort Deutschland nachhaltig zu stärken sowie im Weltmarkt die Marke „Energiewende“ als „Made in Germany“ zu platzieren und ihr unternehmerisches Potenzial aufzuzeigen. Machen wir uns auf den Weg vom Smart Grid zum Energiewende-App-Store!