Der Energiewende-Demonstrator 5

Markt statt Förderung: neue Anreize schaffen

Ein marktseitig optimiertes System bietet der Modellregion Handlungschancen durch neue Marktmodelle, indem es neue und alte Akteure auf der Basis verbesserter Messwerte und eines grunderneuerten Datenmanagements in höherem Maße nutzt.

Bisher ungenutzte Potenziale durch Flexibilität ausschöpfen

Die im vorherigen Blog beschriebene intelligente Infrastruktur ist kostenintensiv. Die – vor allem regionale – Flexibilität, die neue oder verbesserte Komponenten ermöglicht, wird von den Netzbetreibern aufgrund der Anreizregulierung derzeit nur eingeschränkt genutzt. enera schaut auf die Potenziale, die entstehen, wenn der Netzbetreiber zur Systemstabilisierung auch die bisher ungenutzten Fähigkeiten der EE-Anlagen, der Speichertechnologien und gegebenenfalls der steuerbaren Verbraucher nutzt. Wenn es gelingt, eine Plattform für den Handel von (Dienst-)Leistungen – wie regionaler Wirkleistung, Blindleistung oder Schwarzstartfähigkeit – zu schaffen, rentieren sich die Investitionen in technische Komponenten deutlich früher. Ziel des enera-Systems ist es, Anreize durch Marktmechanismen anstelle reiner Regulierungsinstrumente zu schaffen.

Bestehende Märkte um regionale Fähigkeiten erweitern

Bereits realisierte Smart-Grid-Projekte, wie z. B. eTelligence, haben die wichtige Erkenntnis erbracht, dass diese Leistungen in bereits existierende Märkte integriert werden müssen. Durch die zu geringe Reichweite von „Angebot und Nachfrage“ lassen sich keine neuen, lokalen und eigenständigen Märkte etablieren, bzw. würden sie zusätzlich Liquidität aus den bereits existierenden deutschen und europäischen Marktplattformen abziehen. enera wird im Spannungsfeld regionaler physikalischer Bedürfnisse ein skalierbares Marktsystem demonstrieren und strebt an, die bestehenden Handelsplätze um neue Qualitätsmerkmale zu ergänzen.

enera-Marktplattform: Basis für neue Geschäftsmodelle

Der Aufbau einer Marktplattform soll der zentrale Aspekt von enera sein. Sie soll zum einen den immer bedeutender werdenden Faktor Regionalität berücksichtigen und zudem ermöglichen, neben klassischer Wirkleistung weitere (System-)Dienstleistungen in ein Handelsprodukt zu überführen. Die Marktplattform ist eine grundlegende Voraussetzung, um neue Geschäftsmodelle – vor allem im Bereich regionaler Systemdienstleistungen – zu schaffen um so heute noch unrentable Technologien schneller an den Markt zu bringen.

Sie soll keinesfalls die Rolle eines konkurrierenden Marktes übernehmen, sondern vielmehr als Schnittstelle zwischen den Spotmärkten der EPEX fungieren, Handelsgebote um weitere Informationen ergänzen und sie in den bestehenden Orderbüchern unter Beachtung systemseitiger Nebenbedingungen in liquide Märkte überführen.

Potenzielle Nutzer dieser Plattform sind die bereits etablierten Teilnehmer des Stromhandels, wie beispielsweise Direktvermarkter, aber auch neue Teilnehmer, wie Aggregatoren von flexiblen Verbrauchern oder Speicherbetreibern.

Insbesondere jedoch (Verteil-)Netzbetreiber sollen im Rahmen von enera die Möglichkeit erhalten, ihre Anforderungen für einen stabilen und effizienten Netzbetrieb an diesen Märkten zu artikulieren. Damit würden diesen Akteuren Marktmechanismen an die Hand gegeben, die einen unter Umständen volkswirtschaftlich nicht optimalen Netzausbau vermeiden und einen effizienteren Netzbetrieb ermöglichen.

Im nächsten Blog dieser Serie: Transformation durch Digitalisierung