Viel Wind im Nordwesten

Eine Region geht voran

Der Nordwesten Deutschlands hat mehr zu bieten als Ostfriesen-Witze. Wind zum Beispiel. Und Platz. Und viel technologisches Know-how, um aus beidem Strom zu machen. Der ideale Standort für die dezentrale Energieerzeugung – und eine Modellregion in Sachen Windenergie.

Was hätten Sie geantwortet, wenn man Sie gefragt hätte, wo sich heute die neuen Trends und Entwicklungen bilden, um die Energiewende zu meistern? In den großen Städten? Vielleicht in Berlin oder in den zentralen Energiehochburgen wie dem Ruhrgebiet? Wahrscheinlich wäre es Ihnen genauso wie mir ergangen bei der Feststellung, dass Innovationen der Energiewende heute genau da zu finden sind, wo früher vor allem Kühe und Traktoren die Landschaft beherrschten und Energie nur verteilt wurde – auf dem „platten Land“, das viele vor allem vom Urlaub an der See oder aus Otto Walkes Filmen kennen. Bemerkenswert, oder nicht?

Was haben Google und der Nordwesten Deutschlands gemeinsam?

In Zeiten von Google und Facebook, also in einer vernetzten Welt, haben wir gelernt, dass es eigentlich keine Rolle mehr spielt, wo man gerade ist. Man kann alles überall und zu jeder Zeit bekommen. Selbst beim Thema Energieversorgung spielt die geografische Nähe oder Entfernung in einem so hochentwickelten Land wie Deutschland schon lange keine für uns spürbare Rolle mehr. Wir haben überall unbegrenzten Zugang zu Strom, Wärme und Wasser. Sind die Zeiten also vorbei in denen man einen Weg auf sich nehmen musste, um etwas zu bekommen? Das könnte man denken, aber mit Blick auf die Energiewende haben wir erneut lernen müssen, dass wir unsere regenerativen Kraftwerke da bauen, wo zum Beispiel der Wind besonders gut weht oder die Sonne besonders gut scheint.

Aber wo liegen jetzt die Parallelen zwischen Google und dem ländlich geprägten Nordwesten Deutschlands? Google hat das Leben vieler Menschen verändert. Und genau das dürfen vielleicht auch bald die Menschen im Nordwesten Deutschlands von Ihrer Region in punkto Energiewende von sich behaupten.

Die enera-Modellregion: Wir sind da, wo der Wind weht

Die enera-Modellregion befindet sich ganz im Nordwesten Deutschlands, in Ostfriesland und Friesland (was übrigens keineswegs dasselbe ist). Hier gibt es viel Wind und viel Platz. Der typische Menschenschlag hier wird als bodenständig charakterisiert. Es sind Menschen, die wissen, welchen Schatz ihr Land zu bieten hat. Hier produzieren ca. 1.100 Windenergieanalagen rund 1.600 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Ein regeneratives Großkraftwerk. Genug Strom für fast 500.000 Haushalte und damit mehr als die Region selbst verbrauchen könnte. Womit wir wieder bei Trends und Entwicklungen wären: dezentrale Erzeugung und Stromexport aus ländlichen Regionen.

Bodenständige Menschen, die voran gehen

Ostfriesenwitze gibt es ja genügend. Doch das hat wenig mit der Realität zu tun. Die Region wird geprägt von den Menschen und diese stellen seit Jahren die Weichen, um die guten Windbedingungen zu nutzen. Die Kommunalpolitik in den Städten, Gemeinden und Landkreisen in der Region hat die Rahmenbedingungen geschaffen, damit sich neben dem Tourismus ein weiteres starkes wirtschaftliches Standbein entwickeln konnte. Engagierte Unternehmer haben hier in Technologieentwicklung und Ausbau der erneuerbaren Energien investiert. Das Oldenburger Unternehmen EWE NETZ hat es geschafft, die Mengen von erneuerbarer Energie ins Energiesystem zu integrieren. Die spannende Frage ist: Welche Rolle spielt diese Region nun für die Energiewende in Deutschland?

Enera: der logische nächste Schritt

Wir haben einen Punkt erreicht, an dem das Energiesystem in der Region im übertragenen Sinne am Ende einer Evolutionsstufe angekommen ist. enera hat das Ziel, Technologien, Unternehmen und Menschen aus der Region und darüber hinaus zu vernetzen, um ein intelligenteres Energiesystem zu schaffen. Dabei geht es vor allem darum, tatsächlich in der Region aktiv zu werden. enera ist kein kleiner Feldtest, sondern der Versuch, die Energieversorgung in der Modellregion – ein mit über 100.000 Netzanschlüssen sehr repräsentativer Ausschnitt des Energiesystems – auf eine neue Evolutionsstufe zu heben. Sozusagen vom ländlichen Stromabnehmer zum regenerativen Großkraftwerk.

Eine Chance für die Region – und das gesamte deutsche Energiesystem

In erster Linie stellt die Situation in der Modellregion eine große Chance dar. Zum einen für die Region an sich und zum anderen für das gesamte deutsche Energieversorgungssystem. Deutschland sollte sich freuen über eine Region, in der die Energieerzeugungsziele der Bundesregierung von 2050 schon übererfüllt sind. Denn nur unter solchen Rahmenbedingungen lässt es sich schon heute zeigen, ob unser Energiesystem mit diesen Zuständen umgehen kann. Die Menschen von hier wissen, dass regionaler Ausbau von erneuerbarer Energie auch regionale Wertschöpfung bedeutet. Also eine klassische Win-Win-Situation.