enera, oder was wir von

Science Fiction lernen können

Wenn wir das Projekt enera allein unter technischen Aspekten betrachten, greift das zu kurz. Ich glaube vielmehr, dass der Verbraucher mit seinen Bedürfnissen über Erfolg oder Misserfolg der Energiewende (mit)entscheidet.

Wir müssen uns also fragen: Wie können wir ihn für den Wandel begeistern? Wie holen wir ihn ins Boot? Meine Antwort lautet: Ganz einfach, wir brauchen ihm nur zu zeigen, wie sich die Energiewende positiv auf seinen Alltag auswirkt.

Eine Fahrt durch die Zukunft

Als Elektromobilist bin ich viel mit dem Elektrobike im Oldenburger Land unterwegs. Dabei komme ich immer wieder an den Windparks vorbei, die mittlerweile weite Teile unserer nordwestdeutschen Region prägen. Eine Idee schießt mir dabei immer wieder durch den Kopf: Sehen die schlanken Säulen und die sich drehenden Windräder nicht aus wie Kulissen aus einem Science Fiction Film? Als bekennender Science Fiction Fan glaube ich, dass wir im Hinblick auf die Integration neuer Technologien in unseren Alltag aus diesem Genre einiges lernen können. Deshalb schreibe ich diesen Energiewende-Blog heute nicht aus rein technischer oder unternehmerischer Sicht, sondern versuche zu erklären, was genau mich an unserer enera Modellregion fasziniert und welche Chancen das Schaufenster Intelligente Energie für uns alle bietet.

Wir haben uns an den Anblick von Windrädern gewöhnt. Wir nehmen nicht mehr wahr, wie genial es eigentlich ist, eine saubere Energiequelle zu nutzen, die uns hier im Norden unbegrenzt und fast pausenlos zur Verfügung steht - und die uns hilft, energieautark zu werden. Im Augenblick sind wir so sehr mit technischen und wirtschaftlichen Details wie Netzausbau, Speichermanagement, Kosten und Datensicherheit beschäftigt, dass wir dabei sind, das Große Ganze aus den Augen zu verlieren.

Denn je mehr über neue Techniken, Systeme, Software, Netze und politische Rahmenbedingungen gesprochen wird, umso leichter wird ein entscheidender Faktor übersehen: die Akzeptanz durch die Nutzer. Diesen Fehler müssen wir im enera Projekt unbedingt vermeiden. Ziel muss es sein, jeden einzelnen Haushalt in der Region aktiv in den Prozess einzubinden. Denn nur wenn die Nutzer zu unseren Verbündeten werden, lässt sich die Energiewende erfolgreich umsetzen.

Erst konkrete Vorteile machen die Energiewende für Menschen interessant

Wie kann der Einzelne in den Prozess eingebunden werden? Ein mögliches Werkzeug stellt dabei ganz klar das „schlaue Zuhause“ oder „Smart Home“ dar – wie es neudeutsch gern heißt. Ein Begriff, der als Schlagwort in den Diskussionen zur Energiewende immer wieder auftaucht und bei dem jeder zu wissen glaubt, was damit gemeint ist. Ein Trugschluss, wie ich finde. Sicher, wir alle kennen das Beispiel von der Waschmaschine, die unsere Wäsche wäscht, wenn der Wind weht und der Strom deshalb preiswert ist. Mittlerweile ist das Beispiel aber ein alter Hut. In Wirklichkeit wissen wir nämlich noch gar nicht genau, welche Anforderungen die Menschen an das Smart Home haben. Als designgetriebenes Softwareunternehmen versucht the peak lab. genau an dieser Stelle anzuknüpfen, um auf verschiedenen Wegen die Bedürfnisse an ein sich änderndes Energiesystem zu verstehen. Wir wollen Produkte entwickeln, die von den Verbrauchern gern genutzt werden. Sie müssen einen konkreten Mehrwert bieten. Und genau hierin liegen die Potentiale des Projekts enera.

Es ist kein Geheimnis: Die Energiewende wird von den meisten Verbrauchern immer noch kritisch gesehen. Ihre Vorteile sind eher abstrakt, die befürchteten Mehrkosten scheinen sich nicht zu lohnen. Diskussionen um technische Einzelheiten tragen zusätzlich zu Skepsis und Verwirrung bei. Heute will längst nicht jeder Verbraucher ein Smart Meter in seinem Haushalt haben. Das wird sich ändern, wenn die Nutzer erkennen, wie sie konkret davon profitieren. Denn eines ist völlig klar: Die intelligente Energienutzung durch Smart Grids wird jetzt umgesetzt, und sie wird in Zukunft so selbstverständlich sein, wie es Smartphones heute sind. Genau das fasziniert mich an Science Fiction: Wie selbstverständlich man dort mit Technologien umgeht, die für uns noch neu und fremd sind.

Faszinieren statt argumentieren

Jedes Mal, wenn eine neue Technologie marktreif wird, gibt es eine schwierige Anfangsphase. Erst wenn diese Hürde überwunden wird, steigt die Akzeptanz bei der Mehrheit der Nutzer. Genau an diesem Punkt steht das Smart Home heute. Es macht die Sache nicht einfacher, dass Smart Meter per Gesetz eingeführt werden, denn so haben die Verbraucher das Gefühl, etwas aufgezwungen zu bekommen. Wir müssen vielmehr aufklären, dem Verbraucher zeigen, wie „sexy“ beispielsweise ein Smart Meter sein kann, welche Vorteile er bringt. Wir müssen Produkte gestalten, deren Handhabung einfach und intuitiv ist. Und deren Installation und Nachrüstung im Haushalt ohne großen Mehraufwand betrieben werden kann. Und nein, wir wollen nicht alles mit dem Smartphone steuern. Es ist nur ein Werkzeug von vielen, dass uns das Leben im Smart Home des Energiewendealltags vereinfachen kann. In der jetzigen Situation müssen wir die Menschen dazu motivieren, den Wandel zu unterstützen. Das schaffen wir am besten, wenn wir nachhaltige Produkte anbieten, die für die Zukunft der Energie sprechen - eine Zukunft, die längst begonnen hat. Für mich bedeutet dies, das „Fiction“ aus Science Fiction zu streichen und die Welt von morgen für alle erfahrbar zu machen. Das ist meine Motivation, und das ist es, was the peak lab. gemeinsam mit den enera Netzwerkpartnern erreichen will. Wir freuen uns darauf!