Smart Grids und jetzt?

Wer Zukünftiges entwickeln möchte, sollte Vergangenes kennen

Interdisziplinäre Arbeit ist in der Energiewende längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden, noch vor zehn Jahren sah das anders aus. Und wo sich heute der Fokus auf das System richtet, lag er in dieser Zeit noch auf der einzelnen Technologie. Ein Blick zurück – ohne Wehmut.

Vor ziemlich genau zehn Jahren begann aus meiner Sicht die „Energierevolution“. In einem großen Kooperationsprojekt niedersächsischer Universitäten, Institute, dem IT-Dienstleister BTC AG und der EWE AG wurde ein ganzheitliches System für die Integration erneuerbarer Energien entwickelt. Aus damaliger Sicht erstmalig veränderte sich der Fokus – statt der Erforschung und Entwicklung einzelner Technologien wie Windenergieanlagen oder Umspannwerke wurde das Systemische in den Mittelpunkt gestellt. Vorrangig konzentrierte sich das Kooperationsprojekt mit dem Namen DEMS – die Abkürzung steht für „Dezentrales Energie-Management System“ – um Netz- und Handelsfragen. IT-Fragen waren zunächst ein Randthema. Ich hatte in dieser Zeit das große Glück, Teil dieses Projektes zu sein und konnte in diese für eine Informatikerin doch sehr fremde Welt einsteigen.

Die Evolution der Energieversorgung – von DEMS zu Smart Grids

Die Zeiten, in denen man noch von Interdisziplinarität geredet hat, um das Zusam­menspiel der klassischen Energietechniker und der Informatiker zu beschreiben, und sich Energie und IT eher fremd waren, sind nun vorbei. Über mehrere Jahre haben Netzbetreiber, Energieversorger, Wissenschaftler und Software-Entwickler gemeinsam einiges verändert. Aus DEMS wurden Smart Grids, aus wissenschaftlichen Überlegun­gen wurden Demonstrationsprojekte wie z.B. eTelligence und die Informations- und Kommunikationstechnologien sind jetzt integraler Bestandteil unseres neuen Energiesystems.

Smart Grids versus analoge Netze?

Aber was heißt überhaupt Smart Grids? Waren die Netze vor zehn Jahren etwa dumm? Nein, natürlich nicht. Auch damals gab es schon sehr intelligente Lösungen. Allerdings haben sich die Anforderungen sehr stark verändert und aufgrund der Vielzahl an dezentralen Erzeugungsanlagen mussten und müssen auch zukünftig neue Konzepte und Lösungen entwickelt werden:

Ein Blick in die Zukunft

In den vergangenen Jahren haben Forschung und Industrie gemeinsam viele Konzepte und Lösungen entwickelt, die jetzt im Feld einem Härtetest unterzogen werden müssen. Das Schaufenster Intelligente Energie bietet hierfür den idealen Rahmen. Ich freue mich darauf, gemeinsam den Beweis antreten zu können, dass Smart Grids Realität sind. Doch auch wenn wir einen ersten großen Meilenstein erreicht haben, sind wir noch lange nicht am Ziel. Unsere Forschungsagenda zeigt bereits jetzt die nächsten Forschungsschwerpunkte an, von denen der wirtschaftliche Betrieb von Speichern durch die Nutzung verschiedener Akteure – Stichwort green2store – und die adaptive Automatisierung im Verteilnetz nur zwei ausgewählte Aspekte sind.